Mord an Studentin in Kufstein: Mutmaßlicher Mörder ist Neonazi!

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Zu finden auf dem Facebook-Profil des mutmaßlichen Mörders Stefan B.: „Hass und Vergeltung haben wir uns geschworen“ – eine Parole der Neonaziband Landser. Info: a.i.d.a-Archiv

Die Studentin Lucile K., welche Anfang des Jahres in Kufstein ermordet wurde, dürfte offenbar Opfer rechtsextremer Gewalt geworden sein. Der mutmaßliche Täter wurde nach einem weiteren Mord in Neuburg an der Donau im benachbarten Bayern festgenommen. Dort wurde am 16. Februar in einem Baggersee die Leiche eines 12-jährigen Mädchen gefunden. Nun gibt es Parallelen zum Mord in Kufstein, wo eine DNA-Probe Klarheit bringen soll (1). Die Tageszeitung „Heute“ berichtet, dass vielleicht sogar ein weiterer – bisher ungeklärter – Mord auf das Konto des Neonazis und NPD-Sympathisanten gehen könnte (2).

Das a.i.d.a.-Archiv (www.aida-archiv.de/) schreibt über den rechtsextremen Hintergrund des mutmaßlichen Mörders: 

In seinem facebook-Profil hält der aus Egweil stammende und in Neuburg lebende 26-jährige Stefan B. mit  seiner rechten, frauenverachtenden und gewalttätigen Einstellung nicht hinterm Berg. Unter anderem hat er einen sexistischen Song des Rappers „Frauenarzt“ („Komm Mäuschen, hab keine Angst, komm mit mir (…) Ich habe ziemlich dicke Eier und nen steifen harten Schwanz, Ich hab ein stehen, Lass Dich gehen, Sag warum bist du so frigide? Warum bist du so verklemmt? Warum bist du so gehemmt? Meine Latte in der Hose, Die will gern mal mit dir reden, Also mach den Mund weit auf, Dann kann ich sie dir hinein schieben“ [und noch schlimmere Zeilen, Anm. R. A.]) sowie einen „Böhse Onkelz“-Liedtext („Narben“) gepostet. Zu sehen ist auch ein Foto, bei dem ein großes Messer mit Holzgriff in einer großen Schnittwunde, das heißt in einem menschlichen Leib steckt.

Außerdem hat B. ein Bild von einem Revolver veröffentlicht, versehen mit der Textzeile „HASS und VERGELTUNG haben WIR uns GESCHWOREN“ (s. o.). Tatsächlich stammt die Phrase aus einem längeren Text, vollständig heißt die Passage: „Deutschland in deiner schwärzesten Stunde, Du bist verlassen, doch nicht allein; Mit Dir sind treue Kameraden im Bunde; Der morgige Tag wird unser sein; Haß und Vergeltung haben wir uns geschworen; Unsere Nerven, die wurden zu Stein; Doch tief in dem Stein, da brennt noch ein Feuer; Die Flamme der Freiheit lodert und raucht“. Es handelt sich bei diesen Zeilen um den Liedtext des Songs „Vergeltung“ der deutschen Neonaziband „Landser“.

„Geliked“ hat Stefan B. neben Seiten wie „Finger weg von unseren Kindern“ rechtes oder rechtsaffines Zeug, z. B. die offizielle facebook-Präsenz der NPD, das „Hooligan Streetwear“-Klamottenlabel  und Verschwörungstheoretisches, z. B. eine Seite der „Reichsbürger“ in schwarz weiß-rot oder den „Widerstand gegen die NWO“ [„New World Order“, Anmerkung R. A.).

Im  virtuellen Raum ist Stefan B. Mitglied der großen antimuslimisch-rassistischen Gruppe „Patrioten Österreichs“. Da wird für den Wiener Burschenschafterball („Akademikerball“) geworben und gegen die EU, gegen „Dreckspack“,  „Abschaum“ und „Asylschmarotzer“ gewettert („irgendwann gibts richtig Fremdenhass und das Volk protestiert dagegen. Und dann sind Alle plötzlich Nazis! Jagt die Sozialschmarotzer und auch gleich unsere Volksverräter aus dem Land“), so mancher Gewaltphantasie freier Lauf gelassen („nutzt endlich die Vielzahl unserer guten DEUTSCHEN Bäume !!!“) sowie für die vom Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub gegründete „Europäische Aktion“ Werbung gemacht.

Mit der bayerischen und bundesweiten Neonaziszene vernetzt:

Mit 27 Gleichgesinnten bildete der nun inhaftierte Ex-Türsteher Stefan B. zudem seit Mitte Januar eine von ihm gegründete  „nationale Vereinigung“ im sozialen Netzwerk Facebook. Als Mitglied mit dabei: das facebook-Profil von „Ingolstadt Tk“. „Ingolstadt Tk“ ist die Online-Präsenz eines Ingolstädter Neonazis, der mit dieser Seite seit Juni 2013 eine Kameradschaftsorganisation in Ingolstadt aufzubauen versucht. Eine Zeit lang wurde auch eine gleichnamige Domain im www betrieben, die Homepage ist mittlerweile jedoch zweimal umgezogen.

Im Grundsatztext der Neonazi-Kameradschaft heißt es: „Wir wollen genau aufzeigen, wie die selbsternannten Demokraten die Lebensgrundlagen unseres Volkes zerstören und es systematisch vernichten. Mittlerweile ist jedes zweite Kind in Ingolstadt aus einer ausländischen Familie. Wohin der Weg geht, wisst ihr sicher. Wenn ihr der Meinung seid, dass Ingolstadt auch in 100 Jahren noch eine deutsche Stadt sein soll, seid ihr bei uns genau richtig. Das Überleben unserer Familien und unseres Volkes muß mehr wert sein als alle Aktienpakete oder Spekulationen der Welt!“

Im letzten Jahr halfen die Ingolstädter um „Ingolstadt Tk“ nach Eigenangaben der NPD beim Unterstützungsunterschriftensammeln für die Landtagswahl. Im facebook-Profil ist erkennbar, wie eng das Netzwerk mit der bayerischen und bundesweiten Naziszene bereits geknüpft ist. Zu den Online-Freund_innen von „Ingolstadt Tk“ gehören bekannte bayerische Rechtsaußen wie Karl Richter (stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender, „Bürgerinitiative Ausländerstopp“/BIA), Vanessa Becker („Freies Netz Süd“/FNS, BIA-Kandidatin), Alexander Donninger (bekannter FNS- und BIA-Aktivist), Matthias Polt (NPD-Bezirksvorsitzender),Wolfgang F. (Ex-„Fränkische Aktionsfront“) und der Ingolstädter/Weißenburger FNS-Aktivist Martin B. genauso wie Funktionäre aus dem Bundesgebiet, z. B. Jens Pühse (NPD) oder Maik Scheffler vom „Freien Netz Sachsen“.

(Quelle: http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=4394%3Amoeckenlohe-der-mutmassliche-moerder-ist-ein-neonazi&catid=45%3Aergriffe&Itemid=152)