„Gedenkfeier für Palm sorgt für Nervosität „

Der morgige 200. Todestag von Johann Philipp Palm sorgt für Nervosität. Neben dem Verein für Zeitgeschichte wollen auch Burschenschafter und die kommunistische Jugend an den Nürnberger erinnern.

Am 26. August ist es auf den Tag genau 200 Jahre her, dass Johann Philipp Palm in Braunau hingerichtet wurde. Auf den Befehl von Napoleon, weil Palm in seiner Flugschrift die französischen Feldzüge angeprangert hatte.

Bevölkerung um Image ihrer Stadt besorgt 

Heute sorgt Palm unter den Braunauern wieder, wenn auch indirekt, für Nervosität: Zum Gedenken an ihn wollen nämlich 150 Burschenschafter zusammenkommen. Ein Aufmarsch, wie es ihn in Hitlers Geburtsstadt schon lange nicht mehr gegeben habe, ist die Bevölkerung um das Image ihrer Stadt besorgt.

FPÖ-Landesobmann und Organisator Lutz Weinzinger betont jedoch, die Feier würde Braunau keineswegs schaden.

Vorwiegend schlagende Verbindungen 
Die Burschenschafter würden nur eines Mannes gedenken, der für die Pressefreiheit gestorben sei. Vorwiegend schlagende Verbindungen werden nach dem Aufmarsch im Palmpark zusammenkommen.

Einer der Festredner ist ein Mann, der vor mehr als zehn Jahren wegen eines Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz verurteilt wurde.

Kritik vom Verein für Zeitgeschichte 
Zeitgleich mit den Burschenschaftern wäre im Palmpark auch eine andere Gedenkfeier angesetzt gewesen, nämlich vom Verein für Zeitgeschichte. Mittlerweile konnten sich beide Veranstalter darauf einigen, die Feierlichkeiten zwar am selben Tag, aber hintereinander abzuhalten.

FPÖ lehnt Zusammenarbeit ab 
Kritik übte Andreas Maislinger vom Verein für Zeitgeschichte an der FPÖ. Diese habe sich bis kurz vor dem 200. Todestag nicht für Palm interessiert. Trotzdem wäre dem Verein der Beitrag eines FPÖ-Vertreters bei der Palm-Tagung anlässlich der 15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage willkommen gewesen, so Maislinger. Die FPÖ Braunau lehne jedoch seit 1992 jede Zusammenarbeit mit dem Verein ab.

Mahnwache vor Hitlers Geburtshaus 
Für Samstag ist jedoch auch eine dritte Gedenkfeier in Braunau angemeldet: Die kommunistische Jugend versteht den Aufmarsch der Burschenschafter als Provokation und werde das mit einer Mahnwache vor Hitlers Geburtshaus demonstrieren, kündigt Sprecher Robert Krotzer an.

„Ausschreitungen nicht ausgeschlossen“ 
Dass es zwischen den Burschenschaftern und der Kommunistischen Jugend am Samstag zu Ausschreitungen kommen könnte, will FPÖ-Obmann Lutz Weinzinger nicht ausschließen.

Die Polizei ist jedenfalls vorbereitet: 60 zusätzliche Beamte, darunter Spezialisten der Cobra, werden während der Palm-Gedenkfeiern im Einsatz sein.

25.08.2006, linz.orf.at