„Der 20. April bleibt Herausforderung“

BRAUNAU. Der 20. April sei der falsche Tag für Veranstaltungen in Braunau, sagen Historiker und Politiker. Nicht der Geburtstag Hitlers, sondern der Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus am 5. Mai, solle im Mittelpunkt stehen.

Im Vorfeld von Adolf Hitlers Geburtstag (20. April) werden in Braunau eine Demonstration und eine Diskussion stattfinden. Beide Veranstaltungen sind umstritten. Die Braunauer Warte hat bei Veranstaltern und Politikern nachgefragt.

Florian Kotanko, Vorsitzender des Vereins für Zeitgeschichte, betont, dass Braunau durch Zufall Hitlers Geburtsort wurde, die Beschwörung von „glücklicher Bestimmung“ sei Hitlers Diktion. Dass die Demo zu dieser Zeit an diesem Ort abgehalten werde, stuft er als Mittel zur Maximierung medialer Aufmerksamkeit ein und verweist darauf, dass der Nationalrat den 5. Mai als Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus eingeführt hat.

Die Stadt Braunau habe wichtige antifaschistische Akzente gesetzt, die jungen demonstrierenden Menschen ebenso, betont Raffael Schöberl vom Bündnis „braunau gegen rechts“, dem sich 37 Organisationen angeschlossen haben. Welche Gefahr von der extremen Rechten ausgehe, sei im vergangenen Jahr in Deutschland sichtbar geworden, erklärt er.

Andreas Maislinger, wissenschaftlicher Leiter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage, ist der Ansicht, dass der 20. April für Braunau tabu sein sollte, was Veranstaltungen anbelangt. Da es die Demo gebe, habe er das Antifa-Forum initiiert, bei dem Strategien gegen Rechtsextremismus diskutiert werden. Dass Braunauer Organisationen trotz Einladung nicht teilnehmen, bedauert er.

Klar zur Demo bekennt sich SPÖ-Vizebürgermeister Günter Pointner. Auch Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl (SPÖ) wird dabei sein. Pointner sieht die Demo als wichtiges Ausrufezeichen gegen rechte Kräfte. „Alles, was Diskussion auslöst und gewaltfrei abläuft, ist notwendig“, sagt Pointner, der auch froh ist, dass der umstrittene Thor-Steinar-Laden, der neben der SPÖ-Bezirksgeschäftsstelle situiert war, nun zugesperrt ist.

„Wir leiden alle unter dem Bethlehem-Syndrom, das unserer Stadt eine Bedeutung zukommen lässt, die wir nicht wollen“, sagt VP-Bürgermeister Hannes Waidbacher über das Geburtsstadt-Image. Die Stadt werde als Plattform benützt, sagt er in Richtung Demo-Veranstalter. Er verweist auf die Mahnstein-Feier Anfang Mai, die Zeitgeschichte-Tage, die verlegten Stolpersteine und den Jägerstätter-Park.

Es gebe relevantere Gedenktage, sagt auch Manfred Hackl von den Grünen. Gespräche über Strategien gegen rechtsextreme Tendenzen begrüßt er. Die Demonstration hält er für entbehrlich.

Brigitte Zeillinger, FPÖ-Vizebürgermeisterin, findet nicht gut, dass Braunau vor der Landesausstellung auf diese Weise zu präsentieren. Es sei Verschwendung von Steuergeld, wenn 120 Polizisten eine friedliche Demonstration bewachen müssen, ergänzt sie. Braunau dürfe keine Hitler-Pilgerstätte werden, betont Klaus Uhler (BZÖ) und verweist ebenfalls auf die Gedenkstunde Anfang Mai.

(12. April 2012, Quelle: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/braunau/Der-20-April-bleibt-Herausforderung-andere-Gedenktage-sind-aber-wichtiger;art14857,860691)